ERSTES REISEJAHR
Im Monat August
So will ich berichten, wie es uns bislang erging:
Die ersten Reisewochen sind vorüber und wir befinden uns wohl. Der Weg führte uns durch unbekannte Lande, doch bisher sind wir von schlimmen Ereignissen verschont geblieben. Weder uns noch unserer Ausrüstung geschah ein Unheil. Für mich, die ich noch keinerlei Erfahrung mit langen Reisen hatte, war bisher alles aufregend. Oft denke ich an die Lieben zuhause auf der Burg und frage mich, wie es ihnen wohl gerade ergeht.
Da uns Ursus' Onkel eine gute Reiseausstattung überlassen hat, mangelt es uns jetzo kaum an etwas. Für unsere Verpflegung sorgen die Jagderfolge von Ursus und bei den Bauern, die wir unterwegs antreffen, können wir meist Obst und Gemüse bekommen, so dass abends über dem Feuer ein guter Eintopf köchelt. Wenn es möglich ist, schlagen wir unser Zelt in der Nähe eines anderen Lagers auf, da dies einen besseren Schutz bietet. Trotzdem bin ich froh, dass uns bislang noch keine düsteren Gestalten begegnet sind.
Es war wohl der gütige Wille des Herrn, der uns zuletzt weit östlich führte, denn dort trafen wir auf eine Gruppe teutscher Ritter, die uns gestatteten, bei ihnen unser Zelt aufzuschlagen. Sowohl die Herren Ritter als auch ihr Gefolge nahmen uns herzlich auf. Da in der Nähe auch ein Markt stattfand, konnte Ursus bei einem Händler zwei warme Schaffelle erstehen und durch geschicktes Handeln bekamen wir auch hölzernes Schuhwerk, das die zunehmende Kälte der bald kommenden Herbstnächte von unseren Füßen abhalten wird. Die Abende verbrachten wir am Feuer des Ritterlagers mit wohlgesonnenen Gesprächen, bei denen allerlei Neuigkeiten ausgetauscht wurden. Doch auch fröhliches Gelächter und lustiger Gesang erfüllte die Nächte. So vergingen die Stunden bei gutem Honigwein und knusprigem Braten wie im Fluge.
Die Strahlen der Sommersonne schienen auf unser Zelt und die Wärme des Tages trocknete die Feuchtigkeit der Nächte schnell. Am Tag konnten wir den Rittern und Knappen bei den Kampfübungen zuschauen und während sich die Männer der Waffenpflege widmeten und kluge Taktiken für kommende Schlachten entwickelten, gab es für uns Frauen ausreichend Gelegenheit, die Kleidung in Ordnung zu bringen und dringende Näharbeiten auszuführen. Eine friedliche Stimmung lag über unserem Lager und wir genossen die schönen Stunden. Viel zu bald nahte der Aufbruch und da wir eine andere Richtung einschlugen als die Ritter, die zum nächsten Kampf zogen, trennten sich unsere Wege einstweilen.
Unser Fuhrwerk hielt tapfer durch und brachte uns weiter westlich. Ursus möchte sodann weiter in den Norden ziehen. Wenn sich mir eine Gelegenheit bietet, werde ich weiter von unserer Reise berichten.
Achtet bis dahin auf Euch und meidet dunkle Pfade.
Im Monat November
Kaum zu glauben, dass wir nun schon so lange unterwegs sind. Dennoch scheint es mir immer wahrscheinlicher, dass an eine schnelle Heimkehr nicht zu denken ist. Nun denn, wir bescheiden uns mit dem was wir haben und sind dankbar für jeden Tag, an dem wir von Schnee, Frost und Kälte verschont bleiben.
Die Vorräte, die wir gegen einige Schmuckstücke eintauschen konnten, geben mir eine gewisse Sicherheit und unser Wagen duftet wunderbar nach Äpfeln und den Tannenzweigen, die ich über das Obst gebreitet habe, um es vor Frost zu schützen.
Ursus konnte einen Tag bei einem Schmied zubringen und so einige Waffen und Ausrüstungsteile instandsetzen. Die Erleichterung darüber war ihm anzumerken. Auch, dass er einen Tag von seinem Weib getrennt war, hat ihm wohl gut gefallen. Das Wiedersehen am Abend aber auch, wie ich euch verraten will.
Freudige Nachrichten erreichten uns im letzten Monat. Liebe Freunde erwarten ihr erstes Kindlein! Was für eine aufregende Zeit das sein wird. Ich hege jedoch die Hoffnung, dass er als Advocatus sicher die richtigen Worte für sein Weib finden. Auch wenn Männer ja immer etwas hilflos sind, wenn die Zeit des Kreißens kommt. So gesehen ist es ganz recht, dass die Frauen für den Nachwuchs zuständig sind. Dafür sind die tapferen Recken für die Sicherheit der Familie nebst Hab und Gut verantwortlich. Also alles auf’s Beste geordnet.
In wenigen Tagen feiern wir den Geburtstag unseres Herrn. Es wird ein stilles Fest werden. Fern von zuhause, fern von den Lieben. Trotzdem wollen wir uns darüber freuen, dass wir gesund sind und es uns trotz der Entbehrungen gut geht. Wir hoffen, dass es allen, denen wir begegnet sind und denen wir noch begegnen, genauso ergehen möge.
Friedliche Tage für euch!
Im Monat Dezember
Es war kalt. So bitterkalt in diesen Winternächten. Ursus versuchte, immer einen geschützten Platz für uns zu finden, doch es verging kaum eine Nacht, in der mir nicht die Zähne klappernd zusammenschlugen. Frost, Eis und Schnee behinderte unser Weiterkommen und so blieben wir letztlich an einem Ort. Baumkronen bieten etwas Schutz vor dem Schneefall, doch die Kälte und Nässe versucht jeden Tag, unser Hab und Gut weiter zu erobern.
Ich halte mit Glut, Feuer und heißem Würzwein dagegen! Warme Felle und unsere Schafwolldecken leisten auch gute Dienste. Nachts rücken wir ganz eng zusammen und es wäre wahrscheinlich sehr romantisch, wenn wir nicht durch mein Zittern und Klappern kaum zum Schlafen kämen. Ich schäme mich, dass ich solche Schwäche zeige und Ursus neckt mich immerzu, dass er Angst habe, ich könnte ihn nachts einmal erwürgen, wenn ich ihn weiterhin so umklammern würde. Doch sagt mir, wisst ihr einen anderen Rat für ein armes Weib in solch dunklen, kalten ... SEHR kalten Nächten?
Zum Glück fanden wir noch einen kleinen Wintermarkt, so dass wir nochmals unsere Vorräte ergänzen konnten. Die heilige Zeit verbrachten wir zusammen mit anderen guten Christen, um das Fest der Feste zu begehen. Wir gedachten dem Kinde in der Krippe vor langer Zeit und unser Festmahl bestand aus Geflügel, Wurzelgemüse und gebratenen Äpfeln, wie es kaum schmackhafter sein konnte. Ich hatte für meinen Recken gegen ein Schmuckstück ein Kurzschwert eingetauscht, das ich ihm überreichte und er überraschte mich mit einer erbaulichen Schrift! Mit allen anderen zusammen sangen wir fromme Liedlein und der warme Kerzenschein um uns herum erhellte die Dunkelheit der Nacht.
Viele Botschaften von zuhause erreichten uns in diesen Tagen und wenn auch die Heimkehr noch nicht möglich sein wird, so war es doch sehr tröstlich, die lieben und innigen Worte zu lesen. Mögen wir auch getrennt sein, doch vergessen sind wir nicht. Somit rückt das Jahresende immer näher und meine Gedanken schweifen oft ab, was das neue Jahr wohl für uns bereithalten wird. Rückkehr? Weiter umherziehen? Oder gar etwas ganz anderes? Wie schön, dass sich jetzt Zeit für solche Träumereien bietet. Denn nur jetzt sind die Stunden zwischen Gestern und Morgen.
Habt Mut im Herzen und ein Lächeln auf den Lippen.
Dann könnt ihr alles besiegen.
Im Monat Januar
War es im Dezember bereits schwer für uns, so glich der Januar einem einzigen dunklen Tag. Kälte, Schnee und Frost wechselten sich ab. Die Sonne hatte kaum Gelegenheit, das Grau des Tages aufzuhellen. Unser Brennmaterial wird knapp und die Bäume sind so hart gefroren, dass es Ursus schwer hat, etwas zu fällen. Nein, es ist kein Vergnügen mehr und keine aufregende Reisezeit. Das hier ist bitterer Ernst.
Im Grunde wäre es eine rechte Zeit für schroffe Worte. Beiderseits. Doch was würde es nutzen? Ursus sieht, wie ernst es um uns steht und hadert mehr denn je mit sich. Trotzdem entlud sich sein Groll in einem heftigen Gewitter als ich vergaß, eine Kerze bei Tag zu löschen und unser kostbarer Wachsvorrat durch meine Unachtsamkeit unnütz geschrumpft war. Ich weiß ja, dass sich Widerworte gegen meinen Hausherrn nicht geziemen, doch habe ich je behauptet, dass ich vollkommen sei?
Doch habt keine Bedenken! Spätestens heute Abend, wenn die Kälte wieder durch unser Lager zieht, erinnern wir uns an die tröstliche Wärme des andern und der Fehler ist verziehen. Um eine Entschuldigung komme ich deswegen natürlich nicht herum. Aber ich sagte ja bereits, dass es schwere Zeiten sind, nicht? Möglicherweise trägt auch der neue Waffenrock, den ich soeben fertig gestellt habe, dazu bei, die Rauchwolken zu vertreiben.
Freut euch auf den Frühling, der Winter kann nicht mehr lange Herrscher sein.
Im Monat Februar
Der Schneefall hat aufgehört. Die ersten Zeichen des Frühlings sind da. Stürmisch bliesen die ersten Frühjahrswinde über das Land und hier und da schaut ein kecker Blütenkelch aus der noch kalten Erde.
Doch auch weniger Schönes gibt es zu berichten. Waren wir bislang von Krankheit verschont, so plagte mich dieser Tage ein schlimmer Husten. Heißer Kräutersud half nur wenig. Ursus war in Sorge und überlegte schon, ob er mich für einige Tage bei Klosterfrauen unterbringen sollte. Doch ich bat ihn, das nicht zu tun. Der Gedanke, von ihm getrennt zu sein und ihn allein hier draußen zu wissen, war mir schier unerträglich. Er gab zögernd nach und glücklicherweise besserte sich auch mein Husten bald darauf. Doch ich muss noch vorsichtig sein. Wärme Tage würden mir jetzt gut tun.
Auftrieb gibt mir auch die Aussicht, dass wir endlich wieder weiterziehen können. Der Zustand der Wege ist zwar mehr als dürftig, da große Löcher hier und da entstanden sind, doch mit etwas Obacht werden wir schon unbeschadet durchkommen. Wir werden in die Ländereien des Pfalzgrafen kommen. Vertraute Gegend, die uns hoffentlich freundlich begrüßen wird. Ein früher Markt verheißt Gesellschaft, Vorräte und Schutz. Durch die Krankheit bin ich mit meinen Näharbeiten in Verzug, aber ich bin guten Mutes bis zum Markttag mit allem fertig zu sein, so dass wir kein allzu erbarmungswürdiges Bild abgeben werden.
Freut euch an den Sonnentagen und genießt die milde Wärme.
Im Monat März
Der Winter scheint besiegt, auch wenn die Nächte noch kühl sind. Überall hört man das Zwitschern von Vögeln, und die Knospen an den Ästen und Zweigen der Bäume sind dick gefüllt. Sie warten nur auf die beständige Frühlingswärme, um aufzuspringen und neues Leben hervorzubringen.
Die letzten Spuren meiner Krankheit sind auch vorüber. Schon lange plagte mich kein Hustenanfall mehr. Auch die heimatlichen Klänge, die wir Anfang des Monats beim Markttag an der Neckarmündung hören konnten, trugen zur Genesung bei. Ausgerechnet an diesem Markttag fiel noch einmal kräftig Schnee. Von den Zelten tropfte das Wasser und manch Händler fluchte mit derben Ausdrücken wegen der widrigen Umstände.
Ursus machte in seinem neuen Waffenrock sichtlich Eindruck, worüber ich mich sehr freute. Wir trafen sehr interessante Menschen, die ihre Waren feilboten. Mit einer freundlichen Frau, die kleine Schmuckstücke herstellte, konnte ich ein lebhaftes Gespräch über das Anfertigen von Kopfbedeckungen führen und Ursus unterhielt sich mit einem Mann, der vielerlei Landkarten feilbot. Wir kauften Brot und köstliches Kirschmus und labten uns an kräftigem Zwiebelfleisch. Nur ungern nahmen wir Abschied, doch Verwandte erwarteten unseren Besuch ebenso. Auch dort verbrachten wir eine gute Zeit.
Mitte des Monats begab es sich, dass wir die Gastfreundschaft einer sehr hübsch anzuschauenden jungen Frau genießen konnten und dabei auf das trefflichste unterhalten wurden. Ab und an musste ich gegen ein Gefühl der Eifersucht ankämpfen, aber Ursus zwinkerte mir verschwörerisch zu, so dass ich meine unguten Gedanken bald vergaß und die Gesellschaft einfach genießen konnte. Yasmin kommt aus dem Ostland, Ursus nannte es Austria. Es schien mir, als könne ihrem Redefluss kaum Einhalt geboten werden, doch dadurch bot unser Treffen auch viel Kurzweil und Freude. Es wäre sicher schön, wenn wir sie auf den Wirrungen unserer Reise nochmals wiedersehen würden, da sie mir trotz der kurzen Zeit doch sehr ans Herz gewachsen ist.
Vor einigen Tagen konnte ich mein Kochgeschirr um zwei gute Krüge ergänzen und machte meine ersten Versuche im Herstellen von Krautkrapfen. Ursus sah auch diesem Feind mutig ins Auge! Und siehe da, es war letztlich ein doch sehr friedliches Auskommen! Sehr stolz sah ich auch den letzten Krümel verschwinden. Heiß und gut gewürzt waren sie sehr schmackhaft und die sauber geleckten Finger sprachen für sich.
Habt also keine Angst vor neuen Herausforderungen! Wachst stattdessen an ihnen!
Im Monat April
Immer noch hält sich der Winter mit klammen Fingerspitzen fest. Hat er auch gegen die Wärme des Tages kaum noch Aussicht auf Erfolg, so nutzt er den Schutz der Nacht, um sich während der Dunkelheit immer wieder in Erinnerung zu rufen. Zum Glück haben wir uns nun daran gewöhnt und sind mit unseren Decken und Fellen trefflich ausgestattet.
Wenn Ihr mir nun beim Schreiben dieser Zeilen zusehen könntet, würdet Ihr bemerken, dass mir wieder einmal etwas Ungeschicktes widerfahren ist. Meinen besten und neuesten Krug zerschlug ich, weil ich eine Treppe hinabstürzte! Dabei wollte ich nur frisches Wasser holen, um unseren Vorrat zu ergänzen. Ursus erschrak sich fürchterlich, als ich mit blutigem Bein angehumpelt kam. Ohne auf meinen Protest zu achten, brachte er mich zum Bader, der mir mit kalten Fingern das Bein abtastete. Trotz der Umstände musste ich doch schmunzeln, als sich Ursus' Stirn immer mehr umwölkte. Ich fürchtete um den Bader, denn wenn er noch ein bisschen höher über mein Knie getastet hätte, hätte er sich um seine Hand wohl auch einen Verband legen können.
Nun wurde mir angeraten, den Fuß hochzulegen, doch das ist kühn dahergesagt. Es gibt wahrlich viel zu tun! Ursus zimmerte einen Stuhl für mich und schnitze sodann noch einen neuen Lanzenschaft. Ich sorgte für die Bemalung eines neuen Schildes. Bevor sich das Unglück ereignete, waren wir noch auf dem Markttag zu Freienfels und verbrachten in der Zuberei eine schöne Zeit. In meinem Korb landeten zwei neue Schüsseln und prächtiger Stoff, der mit unserer Wappenfarbe wunderbar harmoniert. Außerdem trafen wir Reisegefährten, die unsere Gastfreundschaft auch während der kommenden Marktbesuche gewährt bekommen werden.
Somit kommen wir unserem Ziel wieder ein klein wenig näher. Ich hoffe sehr, dass mit Beginn der wärmeren Jahreszeit auch die Reparatur des Kapellendaches voranschreiten kann. Die Hummeln, die derzeit um meinen Kopf kreisen, scheinen mir auch Mut zusprechen zu wollen.
Bleibt uns gewogen! Wir freuen uns, wenn uns euer Gruß auf unserer Reise erreicht.
Im Monat Mai
Dieser Wonnemonat brachte lieben Besuch aus dem Ostland. Der Liebreiz höchstpersönlich besuchte uns in anmutiger Gestalt. Yasmin verbrachte eine viel zu kurze Zeit unter unserem Zeltdach, doch immerhin war genügend Gelegenheit gegeben, sie delikat zu verköstigen. In ihrer Großherzigkeit überbrachte sie leckere Spezereyen aus ihrer Heimat. Köstliches Naschwerk und duftende Badeöle fanden Platz in meinen Körben. Die Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen wird genährt durch vielerlei Dinge, die sie bei ihrer Abreise bei uns zurückließ!
Unsere weitere Reise ließ uns dann auf einem Rittergut Quartier finden, wo wir sehr herzlich aufgenommen wurden. Die Bäume auf dem weitläufigen Gelände blühten gerade und Ursus und ich fanden sogar die Zeit für ein verträumtes Treffen inmitten dieses Blütenmeeres. Es herrschte dort eine so besondere Stimmung, dass es mich nicht gewundert hätte, der heiligen Katharina oder einem anderen Engelchen im Schatten des Mondes zu begegnen. Ich hoffe sehr, dass uns niemand beobachtet hat, denn wenn auch unser Verhalten für Liebende nicht ungewöhnlich war, so war es sicher nicht für andere Augen bestimmt.
Gerade noch rechtzeitig wurde ich mit dem Waffenrock fertig, den Ursus anlässlich des Spectaculums zu Worms trug. Wir schlugen unser Lager an einer ausgesuchten Stelle unter großen Lindenbäumen auf, die Schutz vor dem bisweilen nassen Wetter boten. Dem Trossmeister sei Dank für diese Zuweisung. Das Wetter entschied sich leider für eine Rückkehr zu winterlichen Verhältnissen. Wind und Regen schickten immer wieder ihre Grüße, doch an unserem letzten Tag überstrahlte die Sonne alles Unbill der vergangenen Tage. Erfreut machten wir Bekanntschaft mit der Garde des Königs von Jerusalem, die nicht weit von uns lagerte. Noch heute kann ich mich an die köstliche Fischsuppe erinnern, die sie mit uns teilten. Von fleißigen Franken, die wir ebenfalls kennenlernen durften, erhielten wir einen kleinen Vorrat Kirschmus, den wir sehr zu schätzen wissen.
Unserer Einladung folgten auch unsere Freunde Teleri und Arti, an deren liebevoll zusammengestellten Gastgeschenk wir uns während der nächsten Tage laben konnten. Überhaupt zog dieser Markttag durch seine farbenprächtige Vielfalt sehr viele Besucher, Freunde und Bekannte von nah und fern an und nicht wenige entboten uns ihre Grüße. Sogar ein Paar, welches aus dem fernen und geheimnisvollen Eire stammte, machte bei uns Rast. Ferner hatten wir die Ehre, den Graf und die Gräfin von Blutlohe kennenzulernen, die uns in wenigen Wochen Gastfreundschaft gewähren werden. Wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen.
Obwohl wir während unseres Aufenthaltes einige unserer Vorräte aufgebraucht hatten und leider auch ein fast neuer Kessel unbrauchbar wurde, schien es so, als wäre unser Gefährt plötzlich zu klein, um alle großen und kleinen Dinge aufzunehmen. Ich beschloss daher, unsere Ausrüstung gründlich zu überprüfen, um nicht länger unnütze Gegenstände mit uns herumzuschleppen. Vielleicht können wir auch einiges feilbieten oder eintauschen, um dringendere Dinge zu erwerben.
Der letzte Ruf dieses Monates brachte uns tief in die bairischen Lande. Eine lange Freundschaft mit den Vagabunden des Südens ermöglichte es uns, den Mai in fröhlicher Runde ausklingen zu lassen. Mochte das Wetter auch noch so launenhaft sein, hielt es uns nicht davon ab, die wenigen Tage mit alten und neuen Freunden zu genießen. Wer hätte gedacht, dass es Freude macht, mit Holzschuhen durch den Schlamm zu schlittern. Meine arme Amme hätte mich wahrscheinlich mit dem Reisigbesen verfolgt, doch so lachten wir nur voller Übermut. Ein Wermutstropfen war lediglich der Umstand, dass Ursus seine Hemden abhanden gekommen waren, so dass wir für angemessenen Ersatz sorgen mussten, auf das er nicht unschicklich gekleidet war oder gar halbnackt herumlaufen musste. Wobei mir letzteres nun nicht ganz so unlieb gewesen wäre, aber das braucht ihr ihm nicht zu verraten. Ich befürchte sowieso, dass er meine unangemessen Gedanken direkt von meinen Augen ablesen kann.
Nach einem solch aufregenden Monat werden wir nun für die nächsten Wochen eine Rast einlegen, um neue Kräfte zu schöpfen. Ich hoffe, auch Ihr verbringt eine gute Zeit und wenn euch ein Schmetterling begegnet, so tragt ihm doch Grüße für uns auf. Wir freuen uns schon darauf.
Im Monat Juni
Leider zeigte das Schicksal am Anfang des Monats seine dunkle Seite. Es führte uns die Vergänglichkeit des Lebens deutlich vor Augen, doch ich hoffe sehr, dass wir etwas Trost spenden konnten.
Nach so einem langen Winter scheint es nun endlich wärmer zu werden. Wir haben die warmen Mäntel weggelegt und genießen unsere Reise in milder Wärme. Ganz gemütlich sind wir nun in Richtung der Höhe unterwegs und hoffen, dort rechtzeitig zum Markttag einzutreffen. Ich bin schon jetzt auf die schöne Gegend, die allerorten gepriesen wird, sehr gespannt.
Ursus ist ständig dabei, sein Schwert zu polieren und auch ich stichle fleißig an einem neuen Gewand. Es ist unglaublich, wie schnell unsere Kleidung auf der Reise zerschlissen ist. Zudem kommt hinzu, dass sich unsere Wintersachen mittlerweile als zu warm erweisen. Ich habe daher dünnen Leinenstoff, den ich in meiner Stofftruhe ganz unten gefunden habe, zurecht geschnitten und hoffe, dass er angenehm zu tragen sein wird. Auch ein neuer Kessel wurde angeschafft und so sind wir für die nächsten Wochen hoffentlich wohlgerüstet.
Mittlerweile habe ich mich an das Reisen so gewöhnt, dass es mir ganz seltsam vorkommt, wenn wir längere Zeit an einem Ort verweilen. Doch manchmal, wenn wir an Höfen oder Dörfern vorbeikommen, gehen meine Gedanken in die Heimat. Ob wir wohl nochmals in einem richtigen Bett hinter dicken, schützenden Mauern unter einem festen Dach schlafen werden? Ursus drückt mir dann immer die Hand als könne er meine Gedanken erraten. Doch das sind nur kurze Momente. Im nächsten Augenblick zwitschert ein Vogel über meinem Kopf oder eine Hummel brummt vorüber und ich freue mich wieder, hier an der Seite des Mannes zu sein, zu dem ich gehöre.
Ich hoffe, euch ist es in der Zwischenzeit auch wohl ergangen. Nehmt euch die Zeit und haltet ab und zu inne. Eure Seele wird es euch danken.
Im Monat Juli
Dank dem Grafen und der Gräfin von Blutlohe für die Gastfreundschaft und die freundliche Aufnahme in ihrem Lager. Wir haben uns während des Marktes dort sehr wohl gefühlt und genossen die Zeit in vollen Zügen. Leider meinte es auch die Sonne sehr gut mit uns. Sengende Hitze machte uns zu schaffen und wir schleppten uns meist nur von einem schattigen Plätzchen zum anderen. Ein heftiges Gewitter brachte Abkühlung am Abend, doch die sintflutartigen Regenfälle, die damit einhergingen, verwandelten den Marktplatz in eine Schlammgrube. Trotzdem waren alle guten Mutes, da es keine größeren Schäden gab und schon am gleichen Abend wurde wieder geschmaust und gezecht.
Lieben Freunden, die uns besuchten, konnten wir zumindest einen kühlen Trunk anbieten und eine Bank, auf der sie in der Hitze rasten konnten. Wir durften freundliche Nachbarn kennen lernen, denen wir bei Holz- und Spinnarbeiten zusahen. Mutige Knappen erprobten sich in Kämpfen und Märchenerzähler erfreuten uns mit ihren Geschichten. Aus dampfenden Kesseln schöpften Köche köstliche Gerichte und aus großen Fässern wurde Wein und Bier ausgeschenkt. Eine Messe unter freiem Himmel war Labsal für unser Seelenheil. Nicht nur deswegen verlängerten wir unseren Aufenthalt um eine Nacht, bevor wir letztlich weiterzogen.
Ich hätte nicht geglaubt, dass mir die widrigen Wetterumstände später noch einmal Schwierigkeiten bereiten würde, doch die durchlebte Angst während des Unwetters, bei dem Blitz und Donner auf uns hernieder fuhren, steckt seitdem tief in mir und will nicht weichen. Jeden Tag geht mein Blick hoch zum Himmelszelt und meine bange Frage lautet, ob es wohl ein schöner oder ein schlechter Tag werden wird. Ich weiß, dass ich diese Furcht besiegen muss, wenn ich nicht möchte, dass sie mich eines Tages völlig beherrschen soll. Vielleicht sollte ich auch einen Medikus um Rat fragen.
Gemächlich suchen wir nun den besten Weg nach Umbstatt, wo wir Ende des Monats unser Zelt aufschlagen werden. Ich hoffe, dass ich bis dahin eine Untertunika für meinen Gemahl fertig stellen kann und auch ein weiteres kühles Leinenkleid für mich möchte ich in Angriff nehmen. Nur um für weitere Hitzetage gut gerüstet zu sein. Wenn wir demnächst an einer Kapelle vorbeikommen, werde ich ein Lichtlein entzünden und um freundliche Sommertage bitten.
Freuet euch, wenn ihr während eines Unwetters den Schutz eines festen Daches genießen könnt. Denn eines könnt ihr mir glauben, erst wenn ihr das nicht habt, wird euch der Wert desselben bewusst.
Wenn Ihr wissen wollt, wie es im Zweiten Reisejahr weiterging, dann lest hier weiter!
Wenn Ihr wissen wollt, wie es im Dritten Reisejahr weiterging, dann lest hier weiter!